Nothing to write home about


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Die Katze fiepst mich an, ich folge ihr – erst zur Futterschüssel, dann zur Balkontür, dann zu ihrer Bürste, dann wieder zur Futterschüssel, jeweils in rascher Abfolge. Sie weiß halt einfach, was sie will, nämlich alles, und das sofort.

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Was ich mich immer schon – und auch heute wieder – gefragt habe: wie sich wohl eine Fliege fühlen muss, die sich nach etlichen Kilometern als summender Passagier in einem Auto plötzlich mit einer gänzlich fremden Umgebung konfrontiert sieht.

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Schwerer Sturm, zeitweise war der gegen die Fenster peitschende Regen sogar lauter als das Grollen des Donners. Aber die Katze blieb die ganze Zeit über ruhig, und ich folglich auch.

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Ein Wochenende auf dem Land: wenn man mehr mit sich selbst als mit anderen spricht.

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Paragramme sind der beste Beweis dafür, dass es auf jeden einzelnen Buchstaben ankommt. Siehe unter anderem Injektion/Infektion oder in Maßen/in Massen.

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„A thing reaching toward the sun, ready for anything.“ (Richard Powers, The Overstory)

Ein Kunstwerk, diese Tomato Timelapse.

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Wenn in der Früh der Teebeutel reißt, ist der Tag doch eigentlich schon gelaufen, oder?

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Wenn man zum Verlassen des Betts fast genau so lange braucht wie Oblomow, ist man vermutlich doch noch kränker, als man dachte.

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So richtig krank ist man erst, wenn man immer wieder unwillkürlich aufstöhnt, obwohl man den gesamten Tag im Liegen verbracht hat.

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Traum: Ein Baseballspiel. Der Werfer schleudert den Ball mit allem, was er hat, Richtung Schlagmann. Der trifft den Ball satt, doch dieser fliegt nicht über den ganzen Platz, sondern fällt wie ein Stein knapp vor ihm auf den Boden. Es gibt ein Geräusch, wie wenn eine Fensterscheibe zerspringt, und aus dem Ball schlüpft ein wunderschöner, in allen Farben schillernder, gewaltiger Vogel, der sich sogleich in die Lüfte erhebt und, die tausenden wie erstarrten Zuschauer des plötzlich in Totenstille getauchten Stadions hinter sich lassend, immer weiter steigt, bis er nur noch als kleiner Punkt und schließlich nicht mal mehr als das auszumachen ist.

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Vor dem Spiegel: In einem Moment gegenseitigen Erkennens zwinkert mir mein Ebenbild zu, und ich erwidere die Geste.

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Life Goals: so selbstsicher wie die Katze und so zuversichtlich wie der Kater durchs Leben zu gehen.

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„Aber du hast schon immer mal wieder Schmerzen beim Herzen, oder? Nein? Okay, auch gut.“

– was man nicht unbedingt von seinem Arzt hören möchte, Teil 1

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Meine größte Erkenntnis der letzten Zeit ist eine sehr banale: Es lohnt sich, in gute Socken zu investieren. Erst wenn man mal ein hochwertiges Paar trägt, merkt man, was man all die Jahre über verpasst hat, in denen man sich mit Billigstprodukten aus dem Supermarkt zufriedengab und einen nur eine äußerst dünne Schicht schlecht gewebten Stoffs vom gewaltigen Schmutz der Welt trennte.

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„Letztendlich war es von Anfang an ein ungleicher Kampf.“

– mögliche Grabinschrift, Teil 2

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Wer (ausgerechnet) die Auflösung von „Krieg der Welten“ für unrealistisch hält und nur schwer glauben kann, dass winzige Organismen solch einen großen Schaden anzurichten vermögen, der sollte mal im Frühling Hausbesuch bei einem Heuschnupfenpatienten machen.

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Ich sollte mal wieder staubsaugen – man kann ja schon vom Boden essen …

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Der Tod ist zu dir ins Zimmer getreten und hat die Tür hinter sich zugemacht.

– Bilder des Todes, 1 (siehe Fernando Pessoa)

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Ein Tag, an dem der sanfte Regen dich einhüllt wie eine warme Decke.

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„Ich kann nur hoffen, ich liege richtig.“

– mögliche Grabinschrift, Teil 1

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Heute zum ersten Mal Yoga gemacht – das heißt, mich zumindest daran versucht. Mann, wie einem etwas Atmen den Atem nehmen kann.

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Schon lange keinen solchen Sturm mehr erlebt. Die Miezen haben sich beim ersten Anzeichen verkrochen, die gläsernen Wände der Loggia ächzen unablässig, und selbst der mächtige Tannenbaum neben unserem Wohnhaus wankt bedenklich. Ich hoffe nur, die Spinne, die die Straßenlaterne gegenüber bewohnt, hat sich rechtzeitig in Sicherheit gebracht.

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Es ist schon interessant, welche Körperteile, -funktionen und Krankheiten man so entdeckt, wenn man älter wird und es zunehmend an Stellen zwickt, von denen man zuvor noch nicht mal wusste, dass sie überhaupt einen eigenen Namen haben.

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Eigentlich freue ich mich ja jeden Tag auf mein Bett, heute kann ich es jedoch wirklich kaum erwarten, mich endlich hinlegen und die Augen schließen zu können.

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Der Kater hat scheinbar was am linken Auge, zumindest bekommt er selbiges seit heute Früh nicht mehr richtig auf. Dass er seitdem auch öfter „Arrrrr“ sagt, bilde ich mir aber womöglich doch nur ein.